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US-Vizepräsident JD Vance rechnet mit Europa ab

US-Vizepräsident JD Vance rechnet mit Europa ab

© https://satellitemap.space/Screenshot Starlink-Satelliten, 23.10.2026

Von Rainer Rupp

Ohne amerikanische Technologie steht Kiew im Regen

Exemplarisch sieht man das derzeit im Zusammenhang mit Elon Musks militärischem Satellitendienst Starlink. Offensichtlich hängt die ukrainische Armee auf Gedeih und Verderb von dessen Funktionieren ab. Seit Tagen schlägt der abgehalfterte und nicht wiedergewählte ukrainische Präsidenten-Darsteller Selenskij bei seinen Unterstützern im Westen Alarm, weil Starlink nur noch mit massiven Einschränkungen funktioniert. Verantwortlich für diesen angeblichen Verrat macht das verschwitzte grüne T-Shirt Elon Musk.

US-Vizepräsident JD Vance nahm Elon Musk nun in einem Interview mit der Times of India, der auflagenstärksten englischsprachigen Zeitung der Welt, so die Eigenwerbung, in Schutz und attackierte stattdessen Europas politische Führung wegen ihrer widersprüchlichen Politik. Zugleich machte Vance in dem Interview deutlich, dass Washingtons Russlandpolitik nicht von den Interessen Kiews oder anderen Ländern bestimmt wird. 

Starlink-Krise offenbart Europas technologische Abhängigkeit

Nach einem Bericht des Wall Street Journal, auf den sich das Nachrichtenportal Times of India beruft, soll Musk eine Geschwindigkeitsbegrenzung für eine militärisch genutzte Starlink-Variante angeordnet haben. Die Einschränkungen hätten am 14. Oktober begonnen und einige ukrainische Drohnen und Abwehrmaßnahmen angeblich so gut wie unbrauchbar gemacht.

Bericht: Washington ordnete Drosselung von SpaceX-Dienst Starshield in der Ukraine an

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Der Streit um den amerikanischen Satellitendienst Starlink hat sich zu einer transatlantischen politischen Auseinandersetzung über die amerikanische Unterstützung der Ukraine ausgeweitet. US-Vizepräsident JD Vance reagierte auf die Vorwürfe mit einer bemerkenswerten Verteidigung Musks. Zugleich nutzte er die Gelegenheit, um den europäischen Regierungen ihre technologische und militärische Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten vorzuhalten.

Selenskij schlüpfte auch diesmal in die Opferrolle, die er so überzeugend beherrscht, und beklagte, dass ukrainische Soldaten wegen Musks Entscheidungen sterben würden, wenn die Einschränkungen nicht aufgehoben werden. Besonders betroffen seien die ukrainische Frontlogistik und ukrainische Angriffe auf Ziele in Russland in mittlerer Entfernung.

Vance: «Das ist keine Frage von Elon Musk»

Auf die Frage eines Journalisten, ob die Vorgänge untersucht werden müssten, stellte sich Vance demonstrativ hinter den Unternehmer:

«Nun, ich denke, grundsätzlich muss man berücksichtigen, dass Elon Musk ein privates Unternehmen führt. Und ich halte es für vollkommen verständlich, dass er nicht mitten in einen Krieg zwischen zwei Staaten in den Konflikt hineingezogen werden möchte, ohne dass die Regierung der Vereinigten Staaten ihm praktisch vorgibt, was er tun soll.»

«Deshalb glaube ich nicht, dass es hier eigentlich um Elon geht. Im Kern geht es vielmehr um die Frage, welche Politik Amerika gegenüber der Ukraine und Russland verfolgen wird. Wie ich bereits sagte, arbeiten wir derzeit an der Wiederaufnahme von Verhandlungen.»

Dann folgte der K.‑o.‑Haken von Vance gegen das Kinn der Europäer:

«Allerdings finde ich es schon ein wenig ironisch, dass die europäischen Länder, die natürlich über nichts verfügen, was mit den Technologien vergleichbar wäre, die Elon mit Starlink, Stargaze und den verschiedenen Internetdiensten von SpaceX entwickelt hat, fast ausnahmslos beschlossen haben, gegen SpaceX einen regelrechten Krieg mit Regulierungs- und Lizenzvorschriften zu führen.»

Ukraine-Gespräche in Oslo: "Fortschritte", aber kein Durchbruch

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«Und jetzt laufen sie alle zu SpaceX und sagen: ‘Bitte tut doch, was wir von euch verlangen.'»

«Das unterstreicht meiner Ansicht nach einen Punkt, auf den der Präsident seit Jahren hinweist: Die europäischen Länder sind von amerikanischer Technologie, amerikanischen Unternehmen und dem amerikanischen Militär abhängig. Gleichzeitig lieben es die politischen Führungen Europas, ausgerechnet jene amerikanischen Verbündeten zu kritisieren, von denen sie so sehr abhängig sind.

Vielen Dank Ihnen allen.»

Die EUnuchen und Elon Musk: Als Personifizierung des Bösen bekämpfen und zugleich um Hilfe betteln

Der politische Vorwurf geht weit über die aktuelle Starlink-Kontroverse hinaus. Europa beansprucht außenpolitische Eigenständigkeit, verfügt aber weder über eine gleichwertige eigene Satellitenkommunikation noch über ausreichende militärische Fähigkeiten, um die Ukraine unabhängig von den USA zu unterstützen.

Die Aussage ist politisch brisant, weil sie eine grundlegende Schwäche der europäischen Ukrainepolitik offen anspricht: Während Brüssel und wichtige europäische Hauptstädte weitreichende militärische und geopolitische Ziele formulieren, bleibt die praktische Umsetzung in wesentlichen Bereichen von amerikanischen Technologien abhängig.

Wer hat die Starlink-Beschränkungen angeordnet?

Damit stehen unterschiedliche Darstellungen nebeneinander. Ob die Einschränkungen eine eigenständige Unternehmensentscheidung oder Bestandteil einer politischen Druckstrategie waren, lässt sich anhand des vorliegenden Materials nicht abschließend klären.

Die zentrale Frage der Kontroverse bleibt unbeantwortet: Hat Musk eigenständig gehandelt, oder wurden die Einschränkungen mit der Trump-Regierung abgestimmt?

Nach Angaben des Wall Street Journal erklärten einige amerikanische Regierungsvertreter, Musk habe die Entscheidung allein getroffen. Trump habe keine entsprechenden Vergeltungsmaßnahmen gegen die Ukraine angeordnet.

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Andere Quellen behaupteten dagegen, Musk habe zuvor mit mehreren hochrangigen Regierungsvertretern, darunter Trump selbst, gesprochen.

Trump bestritt, die Einschränkungen angeordnet zu haben. Er erklärte, nicht zu wissen, wer dafür verantwortlich sei, wolle dies aber herausfinden.

Musk wiederum verwies darauf, dass Entscheidungen über Einschränkungen der militärischen Starshield-Dienste letztlich beim Pentagon beziehungsweise beim Präsidenten lägen.

Auch Verteidigungsminister Pete Hegseth bestritt, dass das Pentagon Unterstützungsleistungen zurückgezogen habe.

Washington sucht erneut Verhandlungen mit Moskau

Parallel zum Starlink-Streit bestätigte Vance neue diplomatische Bemühungen um eine Beendigung des Ukrainekrieges.

Auf die Frage, warum diesmal Fortschritte möglich sein sollten, obwohl frühere Verhandlungsversuche gescheitert seien, widersprach er der Darstellung, Russland verweigere grundsätzlich Gespräche.

«Ich denke, beide Länder haben sich bereit erklärt, an den Verhandlungstisch zurückzukehren», erklärte Vance.

Ein Friedensabkommen sei bisher nicht zustande gekommen, weil die Positionen beider Seiten bei einzelnen Verhandlungsfragen noch zu weit auseinanderlägen.

Der amerikanische Sondergesandte Steve Witkoff habe den Gesprächsprozess erneut aufgenommen und in den vergangenen Tagen sowohl mit der russischen als auch mit der ukrainischen Führung gesprochen.

Vance zeigte sich vorsichtig optimistisch. Diplomatie bedeute, immer wieder neue Anläufe zu unternehmen, selbst wenn die Erfolgsaussichten zunächst gering seien.

Über Witkoff, das amerikanische Verhandlungsteam und Präsident Trump sagte er sinngemäß, er bewundere ihre Bereitschaft, schwierige Aufgaben anzupacken, obwohl noch ein gewaltiger Berg an Problemen zu überwinden sei.

Ukrainische Raffinerieangriffe als zusätzlicher Konfliktpunkt

Die Starlink-Kontroverse fällt mit wachsenden Spannungen über ukrainische Angriffe auf russische Ölraffinerien zusammen.

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Trump und Musk haben diese Angriffe kritisiert. Trump machte sie nach Darstellung des Nachrichtenberichts auch für steigende Ölpreise mitverantwortlich. Die zeitliche Nähe zwischen der Kritik an Selenskij und den Starlink-Einschränkungen nährte in der Ukraine den Verdacht, dass beide Entwicklungen miteinander zusammenhängen könnten.

Ein Beweis für eine gezielte amerikanische Strafmaßnahme liegt jedoch nicht vor. Politisch zeigt sich dennoch ein grundlegender Interessengegensatz: Die ukrainische Führung möchte Russland weiterhin möglichst großen militärischen und wirtschaftlichen Schaden zufügen und versucht mit allen Mitteln, die Amerikaner in ihren Krieg gegen Russland hineinzuziehen. Aber das war bereits für die Administration von Trumps Vorgänger Joe Biden eine rote Linie, die niemand in Washington überschreiten wollte, und das ist bei der Trump-Administration nicht anders. Die Regierung von Donald Trump setzt dagegen verstärkt auf Verhandlungen und berücksichtigt dabei auch die Auswirkungen des Krieges auf die amerikanische Wirtschaft.

Die eigentliche Botschaft: Amerika entscheidet selbst

Die politischen Aussagen von JD Vance lassen sich auf drei zentrale Botschaften verdichten.

Erstens will Washington die Verantwortung für private amerikanische Technologieunternehmen nicht automatisch mit einer Verpflichtung zur unbegrenzten militärischen Unterstützung der Ukraine gleichsetzen. Nach Angaben des Wall Street Journal erklärten einige amerikanische Regierungsvertreter, Musk habe die Entscheidung allein getroffen. Trump habe keine entsprechenden Vergeltungsmaßnahmen gegen die Ukraine angeordnet.

Was wir hier sehen, wäre für Washington eine elegante Lösung, um sich politisch gesichtswahrend Schritt für Schritt aus dem längst verlorenen Konflikt in der Ukraine zurückzuziehen. Dazu müssten sich dann nur noch andere große US‑Rüstungskonzerne aus privaten Gründen aus Schlüsselbereichen des Ukraine-Geschäfts zurückziehen und voilà: Der Ukrainekrieg wäre zu Ende, ohne dass man das Trump und seiner Administration vorwerfen könnte, da es keine entsprechende politische Direktive gäbe. Die Privatwirtschaft, also der Markt, hat entschieden, und dessen Wege sind bekanntermaßen «unergründlich».

Zweitens wirft Vance den europäischen Regierungen vor, sich außenpolitisch selbstbewusst zu geben, obwohl sie in entscheidenden Bereichen auf amerikanische Technologien, Unternehmen und Streitkräfte angewiesen bleiben.

Drittens stellt er klar, dass die amerikanische Russland- und Ukrainepolitik von der Regierung in Washington bestimmt wird – nicht von Elon Musk, europäischen Regierungen oder den Erwartungen Kiews.

Das war eine klare Ansage!

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